Unterschriftenfälschung: 31 Fakten und Statistiken (2026)

Adelheid Brockhusen Adelheid Brockhusen · Veröffentlicht am

Eine Unterschrift ist schnell nachgemacht. Trotzdem hängt an ihr noch immer viel: Testamente, Verträge, Grundstücke. Gleichzeitig verlagert sich der Betrug weg vom Papier hin zu Karten, Überweisungen und Phishing.

Hier findest du die wichtigsten Zahlen zu Unterschriftenfälschung, Urkundenfälschung und Betrug in Österreich: aus der Kriminalstatistik, von der Nationalbank, aus Gerichtsfällen und aus der Forschung zu Schriftgutachten. Jede Zahl ist mit einer Quelle belegt.

Betrug und Urkundenfälschung in Österreich

1. 538.656 Anzeigen im Jahr 2025

2025 wurden in Österreich rund 538.656 Straftaten angezeigt, ein leichter Anstieg gegenüber 2024.1

2. 103.185 Wirtschaftsdelikte

Die Wirtschaftskriminalität umfasste 2025 insgesamt 103.185 angezeigte Fälle.2

3. 63.566 Betrugsanzeigen

Auf Betrugsdelikte entfielen 2025 insgesamt 63.566 Anzeigen, das ist der größte Teil der Wirtschaftskriminalität.3

4. 31.001 Fälle von Internetbetrug

Der Internetbetrug lag 2025 bei 31.001 angezeigten Fällen und war weiterhin rückläufig. Die Internetkriminalität insgesamt stieg dagegen von 62.328 auf 63.459 Anzeigen.4

5. 21.988 Cybercrime-Delikte

Cybercrime im engeren Sinn, also Angriffe auf Daten und Computersysteme, umfasste 2025 in Österreich 21.988 Delikte.5

6. Wien: 5.540 Fälle von Urkundenkriminalität

Allein in Wien wurden 2025 bei der Urkundenkriminalität 5.540 Fälle erfasst, 5,5 Prozent mehr als 2024 (5.250).6

Karten, Überweisungen und Schecks

7. 351.000 betrügerische Zahlungen

Laut Oesterreichischer Nationalbank wurden 2025 in Österreich 351.000 betrügerische Transaktionen mit einer Schadenssumme von 115,4 Millionen Euro registriert.7

8. Eine von 16.000

Gemessen an allen Zahlungen bleibt Betrug selten: nur etwa eine von 16.000 unbaren Transaktionen war 2025 betrügerisch.8

9. Neun von zehn Fällen betreffen Karten

Neun von zehn Betrugsfällen beim unbaren Bezahlen entstehen bei Kartenzahlungen. Der Schaden dort lag 2025 aber nur bei rund 23,5 Millionen Euro.9

10. 78 Prozent des Schadens durch Überweisungen

Betrügerische Überweisungen machten 2025 mit 89,6 Millionen Euro rund 78 Prozent der gesamten Schadenssumme aus.10

11. Kunden tragen 59 Prozent der Verluste

In Österreich tragen laut EBA und EZB die Zahlungsdienstleister rund 40 Prozent der Betrugsverluste, die Kundinnen und Kunden etwa 59 Prozent.11

12. 4,2 Milliarden Euro Zahlungsbetrug in Europa

Der gesamte Zahlungsbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum betrug 2024 laut EBA und EZB 4,2 Milliarden Euro.12

13. 1,3 Milliarden Euro Kartenbetrug

Auf betrügerische Kartenzahlungen entfielen 2024 im EWR 1,3 Milliarden Euro. Die Betrugsrate lag bei 0,033 Prozent des Zahlungswerts.13

Der Dornbirner Testamentsskandal

14. 16 gefälschte Testamente, zehn Millionen Euro

Am Bezirksgericht Dornbirn manipulierten Justizbedienstete Erbschaften. Laut Staatsanwaltschaft ging es um 16 Testamente und zwei Schenkungsverträge in 18 Verlassenschaftsverfahren, der Schaden lag bei zehn Millionen Euro.14

15. 785 Fälscher-Unterlagen in einer Reisetasche

Bei einer Hausdurchsuchung stellten Ermittler in einer Reisetasche 785 Fälscher-Unterlagen sicher.15

16. Sechs Jahre unbedingt

Der geständige Hauptbeschuldigte erhielt sechs Jahre unbedingte Haft.16

17. 32 Monate für eine Juristin

Eine beteiligte Juristin wurde im Juli 2014 unter anderem wegen Amtsmissbrauchs zu 32 Monaten Haft verurteilt, zehn davon unbedingt. Das Oberlandesgericht bestätigte das Strafmaß.17

18. Ein Erbe von drei Millionen Euro zurückgegeben

Der Fall mit der größten Schadenssumme wurde komplett rückabgewickelt: Grundstücke und Bargeld im Wert von drei Millionen Euro gingen an die rechtmäßigen Erben.18

Erkennen Fachleute eine gefälschte Unterschrift?

19. 3,4 Prozent Fehler bei Fachleuten, 19,3 Prozent bei Laien

In einem australischen Test irrten Schriftsachverständige bei 3,4 Prozent ihrer Urteile über echte und nachgeahmte Unterschriften. Die Vergleichsgruppe ohne Fachwissen lag bei 19,3 Prozent.19

20. Fälschung für echt gehalten: 0,49 Prozent

In einer US-Studie hielten Schriftsachverständige 0,49 Prozent der Fälschungen für echt, Laien 6,47 Prozent.20

21. Echte Unterschrift für falsch gehalten: 7,05 Prozent

Umgekehrt erklärten die Fachleute 7,05 Prozent der echten Unterschriften für unecht, Laien 26,1 Prozent.21

22. Fachleute sagen öfter "nicht entscheidbar"

In einer koreanischen Blindstudie mit vier Gutachtern und 20 Laien lagen die Laien deutlich öfter falsch. Die Fachleute wählten dafür häufiger die Antwort "nicht entscheidbar".22

23. Bis zu 90 Prozent der Online-Autogramme gefälscht

Nach Einschätzung langjähriger Sammler und Händler sind mindestens 80 bis 90 Prozent der seltenen Autogramme im Onlinehandel gefälscht.23

24. Über 400 gefälschte Schiller-Handschriften

Im Prozess gegen den Weimarer Fälscher Gerstenbergk lagen 1856 über 400 gefälschte Schiller-Autographen vor.24

Was das Gesetz sagt

25. Urkundenfälschung: bis zu ein Jahr

Urkundenfälschung nach § 223 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen bestraft.25

26. Testament gefälscht: bis zu zwei Jahre

Betrifft die Fälschung eine besonders geschützte Urkunde, etwa eine letztwillige Verfügung, drohen nach § 224 StGB bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.26

27. Betrug: Grundstrafe bis sechs Monate

Der Grundtatbestand des Betrugs nach § 146 StGB sieht Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen vor. Höhere Schäden werden deutlich strenger bestraft.27

28. Eigenhändiges Testament

Wer ohne Zeugen testieren will, muss die Verfügung nach § 578 ABGB eigenhändig schreiben und eigenhändig mit seinem Namen unterschreiben.28

29. Drei Zeugen beim fremdhändigen Testament

Ist das Testament nicht selbst geschrieben, muss es nach § 579 ABGB in Gegenwart von drei gleichzeitig anwesenden Zeugen eigenhändig unterschrieben werden.29

30. Jede zweite Person hat die ID Austria

Im August 2025 nutzten über 4,1 Millionen Menschen die ID Austria, rund jede zweite Person in Österreich. Damit lässt sich auch digital rechtsgültig unterschreiben.30

31. 4,8 Millionen Registrierungen

Ende 2025 hatten sich bereits 4,8 Millionen Menschen für die ID Austria registriert.31

Eine einfache, schnell kopierte Unterschrift macht es Fälschern leicht. Eine eigenständige, flüssig geschriebene Unterschrift ist schwerer nachzuahmen. Probier verschiedene Stile im Unterschrift-Generator aus oder lass dir eine gestalten.

Häufige Fragen

Wie wird Unterschriftenfälschung in Österreich bestraft?

Als Urkundenfälschung nach § 223 StGB mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder bis zu 720 Tagessätzen. Bei besonders geschützten Urkunden wie Testamenten sind es bis zu zwei Jahre.

Was war der Dornbirner Testamentsskandal?

Justizbedienstete am Bezirksgericht Dornbirn manipulierten 16 Testamente und zwei Schenkungsverträge. Der Schaden lag bei zehn Millionen Euro, der Hauptbeschuldigte erhielt sechs Jahre unbedingte Haft.

Wie gut erkennen Fachleute eine gefälschte Unterschrift?

Deutlich besser als Laien. In Studien lagen Schriftsachverständige bei 3,4 Prozent ihrer Urteile falsch, Laien bei 19,3 Prozent. Fälschungen hielten Fachleute nur in 0,49 Prozent der Fälle für echt.

Ist eine eingescannte Unterschrift rechtsgültig?

Für formfreie Geschäfte oft ja, als Ersatz für die gesetzliche Schriftform aber nicht. Dafür braucht es die eigenhändige Unterschrift oder eine qualifizierte elektronische Signatur.

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Quellen

  1. 1Bundeskriminalamt (BMI), Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (bundeskriminalamt.at)
  2. 2Bundeskriminalamt (BMI), Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (bundeskriminalamt.at)
  3. 3Bundeskriminalamt (BMI), Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (bundeskriminalamt.at)
  4. 4Bundeskriminalamt (BMI), Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (bundeskriminalamt.at)
  5. 5Bundeskriminalamt (BMI), Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (bundeskriminalamt.at)
  6. 6Bundeskriminalamt (BMI), Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik 2025 (bundeskriminalamt.at)
  7. 7Oesterreichische Nationalbank, OeNB-Report 2026/22 zu Betrug im Zahlungsverkehr (oenb.at)
  8. 8Oesterreichische Nationalbank, OeNB-Report 2026/22 zu Betrug im Zahlungsverkehr (oenb.at)
  9. 9Oesterreichische Nationalbank, OeNB-Report 2026/22 zu Betrug im Zahlungsverkehr (oenb.at)
  10. 10Oesterreichische Nationalbank, OeNB-Report 2026/22 zu Betrug im Zahlungsverkehr (oenb.at)
  11. 11Europäische Bankenaufsicht und EZB, Report on Payment Fraud 2025 (eba.europa.eu)
  12. 12Europäische Bankenaufsicht und EZB, Report on Payment Fraud 2025 (eba.europa.eu)
  13. 13Europäische Bankenaufsicht und EZB, Report on Payment Fraud 2025 (eba.europa.eu)
  14. 14Salzburger Nachrichten, Testamentsfälscher-Prozess: Strafmaß bestätigt (sn.at)
  15. 15Tiroler Tageszeitung, Testamentsfälscher-Prozess: alle fünf Angeklagten verurteilt (tt.com)
  16. 16Tiroler Tageszeitung, Testamentsfälscher-Prozess: alle fünf Angeklagten verurteilt (tt.com)
  17. 17Salzburger Nachrichten, Testamentsfälscher-Prozess: Strafmaß bestätigt (sn.at)
  18. 18ORF Vorarlberg, Testamentsaffäre: was aus den Grundstücken wurde (vorarlberg.orf.at)
  19. 19Sita, Found und Rogers, Forensic handwriting examiners' expertise for signature comparison, Journal of Forensic Sciences 2002 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  20. 20Kam et al., Signature authentication by forensic document examiners, Journal of Forensic Sciences 2001 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  21. 21Kam et al., Signature authentication by forensic document examiners, Journal of Forensic Sciences 2001 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  22. 22Error rates in forensic handwriting examination of Korean characters, Forensic Science International 2022 (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
  23. 23Gourmet Report, 80 bis 90 % der Autogramme auf eBay gefälscht (gourmet-report.de)
  24. 24autograph-market.com, Vom Autographensammeln (autograph-market.com)
  25. 25JUSLINE Österreich, § 223 StGB Urkundenfälschung (jusline.at)
  26. 26JUSLINE Österreich, § 224 StGB Fälschung besonders geschützter Urkunden (jusline.at)
  27. 27JUSLINE Österreich, § 146 StGB Betrug (jusline.at)
  28. 28JUSLINE Österreich, § 578 ABGB (jusline.at)
  29. 29JUSLINE Österreich, § 579 ABGB (jusline.at)
  30. 30Bundeskanzleramt, ID Austria knackt 4-Millionen-Marke (bundeskanzleramt.gv.at)
  31. 31Vienna.at, ID Austria: bereits 4,8 Mio. Nutzer (vienna.at)
Adelheid Brockhusen

Über den Autor

Adelheid Brockhusen

Adelheid Brockhusen schreibt über Handschrift, Unterschriften und die Gewohnheiten dahinter. Für jeden Artikel trägt sie die Zahlen aus Studien, Statistikämtern und anderen Primärquellen zusammen und prüft jede Zahl an der Seite, von der sie stammt.

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